Einwurf

Einwurf #10 | Spezial

Hollenbach und seine jungen Wilden

Der FSV Hollenbach und seine jungen Wilden

Es ist ein schöner Abend in Hohenlohe. Nahezu den ganzen Tag gab es Sonne satt, die Temperaturen kletterten endlich wieder und Flora und Fauna zeigten sich von ihrer aktiveren Seite. Auch in Hollenbach war es ein schöner Tag und als an besagtem Abend die Sonne langsam hinter der Stephanuskirche verschwindet und die Vögel aus dem Mönchswald zwitschern, ertönt auf einmal ein lautes: „Männer, Ball laufen lassen! Schneller spielen!“. Wir befinden uns in der JAKO-Arena und es ist Ralf Stehle, der seine Mannen auf dem frisch gemähten Rasen in einer der zahlreichen Trainingseinheiten im Rahmen der Vorbereitung auf die neue Saison zu schnellerem Spiel anspornt.   

Diese Mannschaft, die er gerade motiviert besteht, wie schon letzte Saison, aus einer ausgewogenen Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern. Ich habe den Abend genutzt und mit zwei ganz besonderen „jungen Wilden“ der Hollenbacher Mannschaft gesprochen.  

Ein wenig abseits vom eigentlichen Trainingsgeschehen treffe ich den 19-jährigen Philipp Prümmer, der sich trotz seines jungen Alters bereits „FSV-Urgestein“ nennen darf. Mitglied im Verein ist er seit klein auf und durchlief von den Bambini bis zu den A-Junioren alle Jugendstationen beim FSV Hollenbach. Als sich seine Zeit im Jugendfußball langsam dem Ende neigte, konnte der Defensivspieler sich in einigen Probetrainingseinheiten bei der ersten Mannschaft zeigen – offensichtlich mit Erfolg. Die Gespräche mit den Trainern der Oberligamannschaft Ralf Stehle und Klaus Heinle verliefen komplett reibungslos, all seine Fragen konnten auf Anhieb beantwortet werden. „Wenn man dann als Hollenbacher die Chance bekommt hier in der Oberligamannschaft zu spielen, ist das natürlich ein Traum der in Erfüllung geht. Diese einmalige Chance wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen.“, sagt er während er auf einem Heimtrainer ordentlich in die Pedale tritt und seinen Mannschaftskollegen durch die Glasfront des Gymnastikraums beim Training zusieht. Aufgrund muskulärer Probleme die ihn seit dem Sonntag nach dem 4:0 Sieg im Testspiel gegen Rosenberg plagen, verbrachte er den Nachmittag im Kraftraum und lässt nun den Abend im Gymnastikraum ausklingen. Das Spiel gegen Rosenberg habe trotzdem riesen Spaß gemacht und auch im Training sei er sehr gerne – und das trotz einer deutlich höheren Intensität als zuvor bei den A-Junioren. Es sei zwar eine große Umstellung für ihn gewesen, doch durch das gute Training gewöhne man sich schnell daran. Vor allem die Möglichkeit von den erfahreneren Spielern in Sachen Technik und Taktik jeden Tag etwas dazu zu lernen, schätze er in dieser Mannschaft sehr.   

Auf die Frage was er sich persönlich in dieser Saison erhofft, antwortet er nach kurzer Bedenkzeit: „Ich hoffe, dass ich mich persönlich und fußballerisch weiterentwickeln kann und vielleicht am Ende der Saison auf die eine oder andere Oberliga-Einsatzminute zurückblicken kann.“. Über die Mannschaft sagt er, dass der Kader sehr stark sei und deshalb auch viel Potential in der kommenden Saison vorhanden sei. Auch privat läuft es für Philipp gut: Er beginnt im August ein duales Studium beim Weltmarktführer für Motoren und Ventilatoren ebm-papst in Mulfingen. Hierfür hat er sich bereits eine Wohnung in Mosbach organisiert, damit er sich die langen Wege zur DHBW Mosbach erspart, wenn gerade Theoriephase ist. Auf die Frage ob es nicht schwierig werde das duale Studium und das Leben als Spieler in der höchsten Amateurspielklasse unter einen Hut zu bringen, antwortet er mit einem Schmunzeln, dass das zwar natürlich anstrengend werde, doch er ehrgeizig genug sei um beides zu meistern.  

Ehrgeiz sei auch das, was ihn als Spieler auszeichne, gibt er mir am Ende des Gesprächs preis. Als Person sei er offen und nett zu seinen Mitmenschen, was ich nach diesem Gespräch mit ihm mehr als bestätigen kann. Eines hat er jedoch bei seinen Eigenschaften vergessen: Bodenständigkeit. Am Ende unseres Gesprächs bedankte er sich nämlich herzlich und betonte mehrmals was für eine Ehre es sei, für diese Mannschaft spielen zu dürfen und dass er sich riesig freue, sich meinen Fragen gestellt haben zu dürfen.  
Philipp Prümmer  





Doch nicht nur bei Spielern setzen die Hollenbacher auf die Jugend. Auch im Trainer-, Funktionärs- und Betreuerbereich vertraut man bereits auf junge und verantwortungsbewusste Menschen. So ist das Trainerduo der C-Junioren zusammen gerade einmal 40 Jahre alt, im Vereinsausschuss sitzen mehrere Jungs unter 25 Jahren und zwei der vier Trainer/innen unserer F- und G-Junioren sind gerade einmal 18 oder jünger. Doch absolut bemerkenswert ist sicherlich auch der Betreuer der Hollenbacher Oberligamannschaft...   

Am Rande des Trainings durfte ich den 17-jährigen Christian Kästner aus der Nähe von Creglingen kennenlernen. Er ist bereits seit einem guten Jahr als Betreuer in der ersten Mannschaft tätig und macht das Ganze ehrenamtlich. Was mich als erstes in unserem Gespräch brennend interessiert, ist die Frage, wie er als damals 16-jähriger zu einer Betreuerrolle bei einer Oberligamannschaft kam. Er erzählt mir von der Geschichte, dass man damals dringend auf der Suche einem Betreuer war, der dem Manager Karlheinz Sprügel und dem Abteilungsleiter Fußball Kurt Sprügel ein wenig Arbeit abnehmen könnte. „Mertl (Martin Kleinschrodt, d.Red.), der Freund meiner Schwester, kam eines Tages auf mich zu und fragte, ob ich mir das vorstellen könne. Ich war neugierig und probierte das Ganze dann einmal aus. Als ich dann von Verein und Spielern so herzlich aufgenommen wurde, stand mein Entschluss das auf Dauer zu machen.“. Und er macht es nicht nur auf Dauer, er macht es auch verdammt gut! Von Spielern wie Verantwortlichen gleichermaßen geschätzt, übernimmt Christian an Spieltagen Aufgaben wie die Bereitstellung der Trikots oder genügend Getränken, der Überprüfung der verschiedenen Utensilien die es beim Spiel braucht oder er hilft Co-Trainer Klaus Heinle beim Aufwärmprogramm vor dem Spiel. „Wenn ich nicht gerade einen sehr wichtigen Termin habe, versuche ich bei jedem Heim- und Auswärtsspiel dabei zu sein.“.  

Christian befindet sich aktuell in einer Ausbildung zum Industriekaufmann bei der Wirthwein AG. Da neben der Ausbildung im Betrieb bekanntermaßen auch Berufsschule angesagt ist, schafft er es nicht zu jedem Training. Ein bis zwei Mal die Woche ist er während den Trainingseinheiten aber dennoch in der Hollenbacher JAKO-Arena unterwegs und stellt den Spielern Getränke bereit, bereitet Trainingsmaterial vor oder hilft beim Aufbau der einen oder anderen Übung. Vor allem der Kontakt zu den Spielern sei sehr gut und bereite ihm oft viel Spaß. „Man trifft sich auch mal Abseits vom Platz…“, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht. Aktuell spielt er selbst aktiv Fußball in Creglingen und auch hier sei seine Betreuertätigkeit von Vorteil. Man könne auch als Betreuer einiges über den Ablauf eines guten Trainings, die richtige Taktik oder Technik lernen. Nicht nur deshalb, sondern auch aufgrund der Tatsache dass man sich persönlich gut weiterentwickelt würde Christian allen Gleichaltrigen zu einem ähnlichen Engagement in einem Verein raten.

 


So wie wir euch diese beiden tollen Persönlichkeiten vorgestellt haben, werden wir in Zukunft immer wieder Spieler, Trainer, Betreuer oder Funktionäre des Vereins interviewen um euch somit unsere „rot-blaue“ Welt etwas näher zu bringen.   

Achja... Euch Beiden noch einmal vielen Dank für die tollen Interviews! 


 

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